|
|
Publikationen | |||||||||||||
| 2010 |
Temporäre Kunsthalle Lelkendorf ein Kunstprojekt von Rolf Wicker 15. März - 19. September 2009 Hrg. Rolf Wicker und Freunde der Temporären Kunsthalle Lelkendorf 5 x 3 2010 Katalog zur Ausstellung im Kunstraum Düsseldorf vom 10. September - 14. November 2010 Hrg. Kunstraum Düsseldorf Katja Pudor / Salon Berlin Katalog zur Ausstellung im Saarländischen Künstlerhaus Saarbrücken vom 17. Juni - 7. August 2010 ISBN 978-3-940517-42-5 Symposium für Bildhauerinnen mit Kindern, 16. Bildhauerwerkstatt 2009 Hrg. Künstlergut Prösitz ISBN 978-3-9812295-3-0 Kunst fürs Dorf, Dörfer für Kunst, Januar - Oktober 2009, Mecklenburg-Vorpommern Pilotprojekt der Deutschen Stiftung Kulturlandschaft Hrg. Deutsche Stiftung Kulturlandschaft
2009 |
Selected artists 2009 | Senatsstipeniatinnen und Stipendiaten des Arbeitsstipendiums für Bildende Kunst des Berliner Senats 2009 ISBN 978-3-938515-35-8 The World Within, Katalog zur gleichnamigen Ausstellung im Museum der Stadt Skopje, Mazedonien und Stedefreund, Berlin Hrg. Elena Veljanovska
2008 |
Von Jetzt bis dann, Goldrausch 2008, Katja Pudor, Katalog 2008 | Schuber mit Einzelkatalogen der Künstlerinnen Hrg. Goldrausch Künstlerinnenprojekt ART IT im Auftrag und mit Mitteln der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Technologie und Frauen, Berlin, gefördert durch den Europäischen Sozialfonds ISBN 978-3-941318-03-8 Stabile Unruhe, Katalog zur Ausstellung, 2008 Hrg. Hans Böckler Stiftung ISBN 978-3-86593-00-0 o.t., mixed media, 2008, Katalog zur Ausstellung, 2008 Hrg. Susanne Hinrichs, Syker Vorwerk, Syke/Bremen Katja Pudor // pingpong, Faltblatt zur Ausstellung "Let the train blow the whistle" Hrg. Stedefreund Berlin
2005 |
Electric Ladyland, Katalog zur Ausstellung, 2005 | herausgegeben von den beteiligten Künstlern ‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘
|
|
Texte
| Heiko Schmidt zur Ausstellung Und wenn´s nun draußen genauso schön wär? Stedefreund, Berlin 2009 Es scheint mehr als sonderbar sich über Bewegung, über die persönlichen Vektoren unseres alltäglichen Erlebens Gedanken zu machen. Und doch erzeugen, oder besser inszenieren wir mit jedem Schritt Wirklichkeitsmomente. Wir fügen aus unzähligen Splittern jene Orte, denen wir Allgemeingültigkeit zuzusprechen versuchen. Gebäude können durchaus als mit Erregungen aufgeladene "Skulpturen" verstanden werden, welche gerade in ihrer Nutzung eine Interpretation und funktionale Bestimmung erfahren. Die sinnlich erlebten Landschaften unserer Gegenwart sind so eigentlich schon immer im Vornherein von spezifischen Erwartungshaltungen durchdrungen. Die Räume der Kunst besitzen in diesem Zusammenhang eine andere, irritierende Qualität. Sonst in Annahmen definierte Fragmente, diverse Bestandteile unseres Erlebens können hier aus funktionalen Besetzungen gelöst werden. Man könnte sogar sagen, es ist der Modus der Inszenierung, der Validierung des Alltäglichen, der in vielen Kunstwerken entschlüsselt und als Geste neu belegt wird. Der Ausstellungsraum kann, wie es in dem PROJEKT von KATJA PUDOR, ANTONIA NORDMANN, NINA THORWART und THEO NABICHT und wenn´s nun draußen genauso schön wär geradezu exemplarisch aufzeigt wird, als eine Art Spielraum uneingeschränkter Aneignungsbewegungen angesehen werden. So inszenieren die Künstler in sich ständig überlagernden installativen Elementen, künstlerischen Beleuchtungseffekten und Soundebenen Situationen des Überganges. Ständig treten hier bestimmte Facetten, oder einzelne Arbeiten der Gruppenausstellung in den Vordergrund, um darauf wieder unter den Oberflächen temporär dominanterer "Zeichen" zu verschwinden. Es entstehen so Momente des ein - und ausfadens - sanft inszenierte Situationen des Befremdens und der Annäherung. Heiko Schmid, Kunstwissenschaftler ‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘ Annette Gentz, Bild-Räume für den Katalog ′ Selected artists 2009′ Senatsstipeniatinnen und Stipendiaten des Arbeitsstipendiums für Bildende Kunst des Berliner Senats 2009 Ein Leuchten erfüllt den Raum. Es umfängt den Besucher, ausgehend von zahlreichen Streifen farbigen Papiers, die sich wie Steine eines Mosaiks oder Fäden einer Tapisserie zu einer prachtvollen Wandarbeit verdichten. Schicht um Schicht der papiernen Fasern hat Katja Pudor an Wänden und Türrahmen befestigt. Ein akribisches Unterfangen und zugleich eine Zäsur im Werk der Berliner Künstlerin, die 2008 mit der im Kunsthaus Bethanien gezeigten Arbeit Je m´appelle .., eingeläutet wurde. Bereits die frühen Projekte bezeugen die beharrliche Auseinandersetzung mit der Frage nach den Entstehungsbedingungen und Wirkmechanismen visueller Darstellungen. Pudors Arbeiten sind als Versuchsanordnungen angelegt. Auf der Grundlage von Skizzen und Entwürfen entwickelt sie zumeist großformatige, raumgreifende Installationen, die Malereien, Grafiken, Assamblagen und Collagen vereinen. Die einzelnen Bestandteile ihrer Cluster werden nur für die Dauer einer Präsentation fixiert. Wiederholt löst die Künstlerin Elemente einer Installation - Scherenschnitte, Zeichnungen, Textilien oder Manuskripte - aus dem Gefüge und arbeitet sie in nachfolgende Arrangements ein. Durch die erneute Verwendung werden sie in verschiedenen Kontexten re-aktiviert und beleuchten als Signifikanten unterschiedliche Aspekte eines Themas oder Motivs. Als ´vagabundierende Requisiten´ sind sie zudem Marker eines komplexen Verweissystems, das Vergangenes mit Gegenwärtigem verklammert. Je m´appelle .., jene Arbeit, die anlässlich der Ausstellung VON JETZT BIS DANN - GOLDRAUSCH 2008 des gleichnamigen Berliner Künstlerinnenprojekts gezeigt wurde, markiert einen Wendepunkt. Erstmals experimentiert Pudor hier mit winzigen, in Handarbeit gefertigten Papierstreifen, die sie als Teil einer Installation übereinander schichtet wie das Gefieder eines Vogels. Sie gestaltet Farbflächen, die sich aufgrund der Bewegungsrichtung zu Wirbeln und Strömen verbinden und eine auffällige Dynamik entfalten. Das Gesamtgefüge verschmilzt im Blick des Betrachters zum Schema einer abstrakten Landschaft, wobei der Einsatz der Farbkontraste und Schattierungen malerische Techniken und Prozesse reflektiert. Das Verfahren bietet Pudor die Möglichkeit, sich ihrem künstlerischen Ausgangspunkt - der Malerei - sowohl methodisch wie auch thematisch zu nähern. Der Versuch auf der Detailebene der Komposition wird zum Stil prägenden Prinzip, 2009 folgen die Ausstellungsprojekte NORDLEUCHTEN und DEGREES OF FROST. Während die früheren Installationen einer Bühnenästhetik verhaftet sind, die sämtliche Elemente ´in Szene setzt´, behandelt die Künstlerin den architektonischen Raum in ihren jüngsten Arbeiten zunehmend als Bildträger im Sinne eines Gemäldes. Der Umgebungsraum, den sie nach wie vor als Experimentierfeld begreift, wird in diesem Verständnis zur Leinwand, die sie anstelle des Pinsels mit Klebstoff und Papier bearbeitet. Der Zuschnitt und die Linienführung der Papierstreifen ahmen den Pinselduktus nach. Einer malerischen Konzeption verpflichtet, sind Pudors Arbeiten perspektivisch gestaffelt, aufeinander folgende Räume fügen sich optisch zu einem Gesamtbild. Besonders augenfällig wird diese Form der Strukturierung, wenn Türöffnungen oder Zwischenwände als Gestaltungselemente integriert werden. Der ideale Betrachterstandpunkt verschiebt sich folglich in den Außenraum, wobei Fenster und Portale, die den Blick auf das Gebäudeinnere freigeben, als Bildrahmen funktionieren. Die Aneignung von Konstruktionsprinzipen der Malerei und deren Übertragung auf installative Praktiken ist methodisch an eine Analyse des künstlerischen Arbeitsprozesses gekoppelt. Nicht zuletzt die auf der Mikroebene der Papierstreifen erkennbaren Spuren des Farbauftrags, die Schraffuren der Pinselführung, verweisen als Zeichen fortwährend auf den Vorgang der Fertigung. Die Werkgenese wird bei Pudor zum Reflexionsgegenstand - eingespannt in eine betörend sinnliche Poetologie der Farben und der Formen. Annette Gentz, Kulturwissenschaftlerin, lebt in Berlin. Arbeitet an einem Promotionsprojekt über Intimität und Körperlichkeit in der Fotografie des Dirty Realism. Veröffentlichungen zur Fotografie, Ästhetik, Film- und Medienkunst, zuletzt in: Karin Harrasser, Thomas Macho, Burkhardt Wolf (Hg.): Folter. Politik und Technik des Schmerzes, München, 2007. Vertritt seit 2006 als Managerin die Interessen des britischen Komponisten Michael Nyman in Deutschland. ‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘ Annette Gentz Katja Pudor, Katalog 2008 Von Jetzt bis dann, Goldrausch 2008 "Stabile Unruhe" lautet der Titel eines Katalogs, in dem die in Berlin lebende Künstlerin Katja Pudor mit einer Arbeit vertreten ist. Stabile Unruhe - dieses Paradoxon ist in vielerlei Hinsicht kennzeichnend für Pudors Werke. Ihre zumeist großformatigen, raumgreifenden Installationen sind flexible Gefüge, deren Bestandteile nur für die Dauer einer Präsentation fixiert werden. Als Trägermedien dienen Papier, Leinwand und MDF-Platten, die mit Schellacktinte, Graphit, Acrylfarben und Aufklebern bearbeitet werden. Das durch die Montage selbst gefertigter Schablonen entstehende Neben- und Übereinander verschiedener Formen, Muster und Texturen verweist auf die Gestaltungsprinzipien der Collage. Anders jedoch als die Collage, die gemeinhin auf vorhandene Bilder zurückgreift, kombinieren Pudors Arbeiten Fragmente eigener, bereits realisierter Projekte, die sie um neue Komponenten erweitert. Immer wieder löst sie Teile einer Installation aus dem vorhergehenden Zusammenhang und fügt sie in andere Arrangements ein. Die einzelnen Elemente - der Scherenschnitt eines asiatischen Drachen, die Zeichnung einer Wolkenlandschaft oder die Abschrift eines Rousseau-Textes - werden durch die wiederholte Verwendung in verschiedenen Kontexten re-aktiviert und beleuchten als Signifikanten unterschiedliche Aspekte eines Themas oder Motivs. Als ‘vagabundierende Requisiten’ halten sie die Verbindung zu früheren Projekten aufrecht und werden zu Markern eines komplexen Verweissystems, das Vergangenes mit Gegenwärtigem verklammert. Pudors Vorgehensweise ist spielerisch, gleichwohl nicht vom Zufall bestimmt. Sie sucht, ordnet, entwirft und setzt zusammen, was in notwendiger Beziehung zueinander steht. In gewisser Weise befinden sich ihre Installationen immer in einem unfertigen Zustand: sie sind konkret, aber nicht elaboriert. Dem entspricht auch die Hängung der Arbeiten, die mithilfe von Tape und Nägeln so geringfügig wie nötig stabilisiert und auf der Wand oder am Boden befestigt werden. Die Möglichkeit des schnellen Zugriffs, der plötzlichen Intervention, ist von Anfang an mitgedacht. Wie Graffitis auf einer Hauswand, wachsen Pudors Installationen geradezu in den Raum hinein und besetzen ihn bis zu einem gewissen Grad, ohne sich mit der Architektur dauerhaft zu verbinden. Bei der Auswahl und Inszenierung ihres Materials unterläuft sie herkömmliche Prinzipien der Hierarchisierung: Die Darstellung eines barocken Interieurs erscheint gleichrangig neben Motiven der Popkultur - eingespannt in ein Cluster, das Malereien, Grafiken, Assamblagen und Collagen vereint. Das Heterogene wird zum verbindenden Moment. Pudors Arbeiten sind situationsbezogen. Sie orientieren sich an den Gegebenheiten des jeweiligen Raumes, den die Künstlerin als Experimentierfeld begreift. Auf der Grundlage von Skizzen und Entwürfen entwickelt sie ihre dreidimensionalen, temporären Konstruktionen von einer ‘Schlüsselarbeit’ ausgehend als organische Gefüge. Der eigentliche Kompositionsprozess findet folglich erst vor Ort statt. Dem liegt eine theatrale Strategie zugrunde, die sämtliche Elemente einer Bühnensituation, wie Kulisse, Licht, Bewegung und Klang, ‘in Szene setzt’. Erfordert eine Installation eine zusätzliche klangliche Komponente, eine Colonette oder eine Tapisserie, so wird die Kooperation mit anderen Künstlern notwendig. Für pingpong (2008) hat Pudor einen Raum der Berliner Produzentengalerie Stedefreund, die sich in einem DDR-Plattenbau befindet, in eine barocke Landschaft verwandelt. Sie kontrastiert den ungewöhnlichen Zuschnitt des Zimmers - kurioses Zeugnis einer Ende der 1980er Jahre in Folge der Mangelwirtschaft aus dem Gleichgewicht geratenen Bauplanung - mit dem Luxusgedanken des Barock. Durch die Verwendung einander gegenüberliegender beweglicher Spiegel, die das in Form farbiger Papierschablonen gleichmäßig über die Wände verteilte Motiv einer Perle vervielfältigen und brechen, erzeugt sie die Illusion eines Festsaales als Exempel optischer Täuschung und überfeinerter Opulenz. Im Zusammenspiel mit der Umgebung provoziert Pudor Stimmungen und Atmosphären, deren Wirkung sich der Betrachter nur schwer entziehen kann. Tastend wandert der Blick über die ornamentalen Oberflächen, hält inne, streift weiter und verliert sich wiederholt in der Fülle der Details. Bei genauerem Hinsehen wird man der besonderen Qualitäten des Materials gewahr. Reflektierende Folien und farbige Stoffe, die in das Patchwork eingelassen sind, bringen die Installationen zum Leuchten und verleihen ihnen einen glamourösen Anstrich. Insofern verbindet sich mit Pudors Arbeiten jenseits einer rein kognitiven Betrachtungsweise auch immer ein sinnliches Anliegen und Erleben. ‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘ Susanne Hinrichs, Neue Sicht der Dinge Katalog zur Ausstellung ′ Stabile Unruhe′, Düsseldorf, 2008 Vor Jahren verlässt die Künstlerin die Leinwand. Der Bilderrahmen ist für ihre farbintensiven und schwindelerregenden Darstellungen zu klein geworden. Heute schafft sie aus einem Konglomerat vielflätiger Materialien - Papier, Folien, Spiegel, Scherenschnitte u.a. - riesige Rauminstallationen, die nur noch entfernt an die einst an Leinwand und Pinsel gebundene Malerin erinnern lassen. Sie taucht in eine Welt der Bilderflut ein und greift sich heraus, was zur Verfügung steht. Ein medialer Bilderquell, der stets sprudelt und beständig ungebrauchtes Material liefert. In immer neuen Konstellationen, Gegenüberstellungen und Paarungen entsteht ein Bilderzyklus, der den Raum überschwemmt. Die Farben werden zum einen durch das Material, welches sich in großen und kleinen Bahnen entlang der Wand entfaltet, definiert. Andererseits schöpft Pudor aus einer nicht versiegen wollendenden Quelle von Farben und Farbnuancen, verschiedenartigen Stiften, Pinseln und Tuschen, die alle gleichberechtigt nebeneinander zu Papier gebracht werden. Beeindruckend sind jedoch die immer noch mit Edding gezeichneten Landschaften und Räume in schwarz/weis, die häufig das Zentrum einer Installation bilden. An diesen Orten kommt der Blick des Betrachters zur Ruhe. Er findet einen Fokus, kann sich berauschen lassen von einem gründerzeitlichen Salon mit opulenter Ornamentik oder einer romantischen Landschaft. Damit bewirkt Pudor den Ausflug hinaus aus der Kammer in eine unwirkliche Welt, die zeitweise beseelt ist von fremdartigen Wesen und Geschöpfen. Doch die überbordende Materialität der Installation lässt keine lange Exkursion zu. Schnell wandert der Blick zurück, spiegelt sich und bezieht den Betrachter in das Geschehen mit ein. An anderer Stelle prallt er ab, verhindert ein Eindringen, ein zu Nahekommen. Jegliche Begrenzungen scheinen aufgehoben, wenn die Künstlerin den Raum adaptiert und ihn sich zu eigen macht. Wände geraten zu Aussichten und Reflexionsflächen, Böden bilden Wände, oben und unten bedingen und verweigern sich zugleich. Raumordnungen und Strukturen heben sich auf, lassen sich neu definieren, oder gar nicht mehr bestimmen. Der Eindruck unerschöpflicher Phantasien entsteht, wenn diese sich gleichsam durchdringen und konterkarieren. Sie sind simultane Lieferant neuer Wahrnehmungsmöglichkeiten und räumlicher Definition. Das künstlerische Panorama verhindert jegliches Verweilen, es verwehrt den Halt, lässt in den Abgrund stürzen, fängt auf in der Tiefe und schleudert uns zurück zum Anfang. Bekannte Wahrnehmungsstrategien, Ordnungsmechanismen oder Orientierungshilfen wirbeln durcheinander. Die Flut der Bilder rauscht vorbei, so wie wir es immer und immer wieder in unserem medialen Alltag erfahren. Doch Pudor erlaubt uns innerhalb dieser Woge innezuhalten, bewusst zu werden und wahrzunehmen. Die Zeit scheint für einen kurzen Augenblick stillzustehen und verhilft zu einer neuen Sicht auf die Dinge. Susanne Hinrichs (M.A.) Freie Autorin, Kuratorin, Lehrende und Kunstkritikerin, lebt und arbeitet in Bremen ‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘ Carla Orthen, Jumping all over Katalog zur Ausstellung ′ Stabile Unruhe′ , Düsseldorf, 2008 Acryl, Edding, Schellacktinte, Grafit, Pastellkreide, Farbspray, Folien, Papiere, Leinwand, MDF, Spiegel, Karton.. Katja Pudors temporäre Raumcollagen sind ein gewaltiger Farb- und Materialrausch, der über Wände und Zweidimensionalitäten hinauswächst. Misstrauisch gegenüber dem Einzelbild, dienen ihr eigene wie fremde Referenzen gleichwertig als Quelle, indem sie alte Arbeiten in neue integriert und Motive aus Literatur, Film und Werbung als Text- oder Bildfragmente einbaut. Für STABILE UNRUHE verdichtet die Künstlerin Frauenbildnisse mit Artefakten und Cut Outs zu einer biografischen Landschaft, die sich nicht mit der Porträtierung von Einzelidentitäten aufhält, sondern unter Verzicht auf Chronologie und eindeutiger Wiedererkennbarkeit in neue Sinnzusammenhänge überführt. Pudors Installationen erlauben dem Auge ein Hin- und Herswitchen, das der Rezeption digitaler Medien verwandter ist als der Rezeption gewöhnlicher Leinwandbilder. Der eigene Erlebnisraum wird erweitert durch die Kooperation mit der Video- und Klangkünstlerin Sandra Truté, deren Soundarbeit die Besucher über visuelle Reize hinaus teilhaben lässt. Carla Orthen, Kunsthistorikern und freie Kuratorin. Arbeitete an der Schirn Kunsthalle Frankfurt, bei Sies + Höke, Düsseldorf und war künstlerische Leiterin der Produzentengalerie Stedefreund, Berlin. Kuratierte u.a. die Ausstellungen "Abwesenheitsnotizen" in Zusammenarbeit mit dem Museum Abteiberg in Mönchengladbach, "Stabile Unruhe" mit Stipendiatinnen der Hans-Böckler-Stiftung in Düsseldorf. Promoviert aktuell zum Thema "Künstlerische Selbstorganisation: Produzentenräume in Deutschland: Prekariat als Erfolgsstrategie?". |